Head of Head, Black Belt Manager und Ghetto Faust!

authentischauthentizitätstrong

Schon lange halten Anglizismen Einzug in die deutsche Sprache, die Welt wird globaler und somit werden es wohl auch die Berufsbezeichnungen. Personaler überbieten sich hier mit neuen Kreationen. Es werden keine Berater, Vorgesetzte und Mitarbeiter mehr gesucht, sondern eher Heads, Key Account Manager, Employees, Greenkeeper und Innovater. Ich halte mich eigentlich für durchschnittlich intelligent, aber ich muss gestehen, dass ich kürzlich Doktor Google zu Rate ziehen musste. Mein Teamcoaching wurde vom Head of Irgendwas vorerst auf Eis gelegt, weil die Black Belt Manager gerade das Budget durchkämmen und schauen müssen, ob noch Money übrig ist. Alles klar…oder eben dann doch nicht so ganz.

Ikea suchte kürzlich einen Head of Sleep, meine Freundin arbeitet jetzt als Head of Head (ist denn der Head nicht bereits das Ende der Fahnenstange??) und eine Bekannte steigt neu als Sales Assistant Fixed Income ins Bankenwesen ein. Eine Studie zeigt, dass sich seit 1990 die Zahl der Anglizismen am Schweizer Stellenmarkt verdreifacht haben. Am häufigsten sind es Begriffe aus Business, Marketing und Technik. Aus Sicht der Fachleute besitzt die Englische Sprache ein hohes Prestige und englische Bezeichnungen seien viel treffender und würden die Positionsbezeichnungen punktgenauer beschreiben.

Mag schon sein, gekoppelt aber mit wahnwitzigen Anforderungen an Bewerber, ist dieser Trend schon ein wenig «belächelungswürdig». So beschrieb kürzlich eine Firma in der Umgebung Bern einen möglichen Arbeitstag im Inserat etwa so:

• Begrüssung mit einer Umarmung, alternativ: Ghetto Faust (ist kein Scherz, steht so im Inserat!)

• Checken des Posteinganges und Terminvereinbarungen (ok. müsste ein Head of Blablabla eigentlich schon drauf haben)

• Facilitieren des Rollen-Meetings in der Factory (?)

• Nach einem intensiven Tag (ja den gibt es manchmal bei uns;-) geniesst du dann einen Drink und den (?) Apéro mit deinem Team oder den Meetup Teilnehmern (das ist der beste Teil, nüchtern hältst du da ja gar nicht aus!)

Zum Schluss möchte der COO (?) dann noch eine 2 minütige Videobewerbung in Form einer Liebeserklärung (?).

Wer fühlt sich denn da angesprochen? Wahrscheinlich jemand der sturzbetrunken, schockverliebt mit Muttersprache Englisch Assesments facilitiert und in der Teamrollenaufstellung den Black Belt engerzuschnallen gedenkt. Viel Erfolg!

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